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Bayerische Staatsoper

Akademiekonzert: Kirill Petrenko

Das Bayerische Staatsorchester unter Kirill Petrenko

Als Beethoven von Bonn nach Wien reiste, um dort bei Haydn zu lernen, schrieb Graf Waldstein ihm in sein Stammbuch, er würde „Mozarts Geist aus Haydns Händen“ erhalten. Natürlich musste sich der junge Beethoven an den beiden großen Vorgängern (und Vorbildern) messen – seine erste Symphonie will es nicht verbergen. Doch Beethoven löckte immer gern wider den Stachel. Das beweist schon der erste Takt seines Opus 21. Höchst irritierend für seine Zeitgenossen beginnt er das Werk mit einer Dissonanz, einem Dominantseptakkord, harmonisch biegt er sozusagen in eine Kurve ab, statt erst einmal einer geraden Linie zu folgen, und gelangt zum C-Dur-Hauptthema erst über Umwege. In der Entstehungszeit hat Beethoven sich mit dem Prometheus-Thema beschäftigt, und aus der Musik klingt etwas heraus von einem Helden, der sich die Welt „nach seinem Bilde“ erschafft: Er verwendet das Material, das die Tradition vor ihm ausbreitete, und bricht immer wieder aus den gewohnten Bahnen aus, zieht das Tempo an, findet reizvolle Abweichungen, überrascht mit unerwarteten Wendungen, lässt andererseits tiefe Gefühle zu und bricht krachend aus ihnen wieder aus. „Stürme der Empfindung und aller Affekte“ hörte ein Rezensent in diesem Werk, die auch heute noch zu erleben sind.

Am Beginn des 20. Jahrhunderts war für angehende Symphoniker längst Beethoven der Maßstab. Für Schostakowitsch waren es auch die zwischen Akademismus und Volksnähe changierende Petersburger Komponisten der damaligen Zeit und das Schaffen Tschaikowskys mit seinen schicksalhaften Symphonien; später wurde für ihn auch Gustav Mahler eine Referenz. Darüber hinaus war Schostakowitsch als Stummfilmpianist mit allen Effekten der Unterhaltungsmusik vertraut und verfügte über alle Zwischentöne von Humor, Ironie und Satire. Das hört man seiner ersten Symphonie an. Sie sollte, dem Gattungsanspruch folgend (und darin dem Roman in der Literatur verwandt), ein Spiegel der Welt sein, wie ihr Autor sie erlebte. Die seine war hart wie bunt und widersprüchlich, wie die Zeit es nur hergab. Schostakowitsch betrat mit gerade mal 19 Jahren das symphonische Parkett der jungen Sowjetunion, und er hatte Glück: Seine erste war ein Wurf, für ein Instrumentalwerk mit unerhörtem theatralischen Gestus dargeboten. Er wirbelt in seinen Klängen groteske Gestalten umeinander, lässt Puppen tanzen und Marionetten mit ihren Gliedmaßen klappern, wodurch die ebenso eindringlichen Passagen expressiver und pathetischen Charakters eine schillernde Doppelbödigkeit erhalten. Alle russischen Musikkenner waren sich sofort einig, dass hier die größte Begabung seiner Generation sein Debüt gefeiert hatte, die Presse schrieb von „höchstmöglichem Ausdruck des Talents“, Alban Berg gratulierte persönlich per Brief. Überschüttet mit solchem Lob, wurde der Weg für Schostakowitsch nicht leichter, – aber seine symphonische Visitenkarte ist heute wie damals ein überwältigender Teufelsritt.

PROGRAMM:
Ludwig van Beethoven
Symphonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Dmitri Schostakowitsch
Symphonie Nr. 1 f-Moll op. 10

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